Aktuelle Hepatologie: Im Spannungsfeld zwischen medizinischen Fortschritt und Tabuisierung
Infektionen mit den Hepatitis-Viren zählen zu den Hauptauslösern schwerwiegender chronischer Lebererkrankungen. Über eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C- oder B-Virus (HCV und HBV). In einem epidemiologischen Bulletin schreit das Robert-Koch-Institut der Virushepatitis B und C eine "erhebliche gesundheitspolitische Bedeutung" zu wegen der möglichen Folgen chronischer Infektionen wie der lebensbedrohlichen Leberzirrhose und dem Leberzellkarzinom (HCC).
Eine Verdopplung der Neuerkrankungen an Leberkrebs in den letzten drei Jahrzehnten wird mit einer HCV-Infektion in Verbindung gebracht. Schwerwiegende Lebererkrankungen ließen sich häufig vermeiden, angesichts diagnostischer Möglichkeiten und therapeutischer Verfahren mit guten Heilungsaussichten. Dass Betroffene häufig erst zu spät zum Arzt gehen, ist durch die uncharakteristischen Beschwerden bei Lebererkrankungen begründet. Zusätzlich kursieren heute auch falsche Vorstellungen über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Lebererkrankungen. Die "Hep-Net-Studie" der Deutschen Leberhilfe e.V. brachte bei einer Befragung von Hepatitis-Patienten eine weit verbreitete Unkenntnis über Ansteckungswege, Heilungsprognosen und -aussichten zutage. Zudem steht die Hepatitis in dem Ruf, die Krankheit der Drogen- oder Alkoholabhängigen zu sein. "Mangelnde Kenntnis, verbunden mit solchen Erkrankung, deren Symptome häufig unspezifisch sind,kann für den Betroffenen trotz eines weit fortgeschrittenen medizinischen und pharmakologischen Erkenntnisstands fatale Folgen haben", meint Prof. Zeuzem. "Das Ursachenspektum von Lebererkrankungen ist sehr komplex, wir müssen neben reinen medizinischen Faktoren auch andere, etwa soziale Phänomene und gesellschaftliche Trends berücksichtigen", so Zeuzem weiter. Gemeint sind Trends im Ernährungsverhalten, im Umgang mit Medikamenten, die zur Fettleberhepatitis, der sogenannten nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH), sowie zu toxischen Schäden führen können. Gemeint ist damit auch der Anstieg bei chronischen Virushepatits-Erkrankungen in Deutschland und weltweit im Zuge der gobalen Vernetzung.
Dokument-Datum:
24.04.2007
Autor:
Ahmed Koujan
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